Identität, Migration und Nationalismus: Von der positiven Kraft kultureller Identifikation

Rudolf Buchmann

Abstract


Ich befasse mich anhand von Fallbeispielen mit der Entwicklung von Migrantenkindern unter dem Aspekt ihrer kulturellen und ethnischen Identifikation. Auswirkungen spezifischer Erfahrungen als Ausländerkinder werden für den Aufbau ihrer Persönlichkeitsstruktur diskutiert. Dabei wird ausdrücklich nicht nur auf pathogenetische Zusammenhänge hingewiesen, sondern es werden auch Chancen und Ressourcen beleuchtet, die sich aus der Migrationserfahrung ergeben. Überlegungen zu psychotherapeutischem, aber auch pädagogischem und politischem Umgang mit Kindern von MigrantInnen führen zur Erkenntnis, dass einer aufwertenden Grundhaltung gegenüber der Vielfalt und Differenziertheit von Kulturen (und von Persönlichkeitsunterschieden) hohe kurative und edukative Bedeutung zukommt. Als wichtiger Aspekt wird auch der Einbezug von Eltern und Lehrern und weiteren Bezugspersonen des Kindes in die Behandlung hervorgehoben. Besonderes Gewicht lege ich auf die Darstellung salutogenetischer und protektiver Wirkung von Nationalstolz und ethnischer Identifikation in Abgrenzung und Konfrontation zur eher verbreiteten Betrachtungsweise pathogenetischer Auswirkungen solcher Identifikation, wie sie vor allem in der Diskussion von erhöhter Delinquenz und Gewaltbereitschaft ausländischer Jugendlicher auftritt. Ich vertrete und diskutiere die These, dass eine gelingende positive Identifikation und Wertschätzung der eigenen Ethnie, Nationalität und Kultur gewaltmindernd und gesundheitsfördernd ist. Ich empfehle in kurativer und edukativer Hinsicht, solchermaßen positiven Kräften mehr Beachtung zu schenken.

Schlüsselwörter:
Entwicklungspsychologie; Identität; Migration und Gesundheit; Kultur; Kinderpsychotherapie; Nationalismus.

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